Zwischen zwei Welten - Das Schicksal der Russlanddeutschen
Shownotes
Zwischen zwei Welten.
Sie nannten sich Deutsche – doch ihre Heimat lag fern von Deutschland. Seit Generationen lebten ihre Familien im Osten, einst gerufen von Katharina II.. Sie bauten Dörfer, bestellten Felder, bewahrten Sprache und Tradition.
Dann kam der Krieg.
Mit dem Angriff von Adolf Hitler auf die Sowjetunion zerbrach ihr Leben. Was sie waren, wurde ihnen zum Verhängnis. Unter Josef Stalin galten sie plötzlich als Feinde – nicht wegen dem, was sie getan hatten, sondern wegen dem, was sie waren.
In Viehwaggons verschleppt. Getrennt. Vergessen.
Dies ist die Geschichte der Russlanddeutschen. Eine Geschichte von Verlust, Überleben – und der Suche nach einer Heimat, die es so nie wieder gab.
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00:00:02: An Gott glauben nur die, die nicht gebildet sind.
00:00:05: Meine Eltern sind nicht genug gebildete, deswegen glauben sie an Gott.
00:00:10: Unter meiner Matratze waren Teile von der Bibel versteckt weil man hat gehofft wenn wir Durchsuchungen haben dass sie nicht unter die Matratzer eines Kindes schauen.
00:00:22: ich lebte in zwei Welten.
00:00:24: Ich wollte nicht das mein Papa im Gefängnis landen.
00:00:27: In mir war eine ganz große Angst dass es irgendwann passieren würde.
00:00:31: In dem Moment wusste ich, dass ich wirklich alles verloren habe.
00:00:37: Meine Freunde verloren haben.
00:00:40: Mein Zuhause verloren
00:00:41: haben.".
00:00:45: Sie nannten sich Deutsche – doch ihre Heimat lag fern von Deutschland.
00:00:51: Seit Generationen lebten ihre Familien im Osten.
00:00:54: Eins gerufen von Katharina der Zweiten.
00:00:57: Sie bauten Dörfer, bestellten Felder, bewahrten Sprache und Tradition.
00:01:03: Dann kam der Krieg!
00:01:05: Nach dem Angriff von Adolf Hitler auf die Sowjetunion zerbrach ihr Leben.
00:01:10: Was sie waren, wurde ihnen zum Verhängnis und der Josef Stalin galten sie plötzlich als Feinde nicht wegen dem was Sie getan hatten sondern wegen dem, was sie waren in Viehwaggons verschleppt getrennt vergessen.
00:01:27: das ist die Geschichte der Russland-Deutschen eine Geschichte von Verlust überleben und der Suche nach der Heimat, die es so nie wieder gab.
00:01:39: Herzlich willkommen Maria!
00:01:42: Möchtest du Dich unseren Zuhören kurz vorstellen?
00:01:45: Ja gerne!
00:01:46: Mein Name ist Maria Klassin-Tierter.
00:01:50: Klassen ist ein deutscher Name und stammt vor Generationen aus Hamburg und meine Eltern haben auch zu Hause Platteutsch gesprochen.
00:02:02: Tierter ist ein indonesischer Name Das heißt, ich habe ein Indonesier geheiratet.
00:02:09: Und genauso ist das!
00:02:11: Mein Leben ist geprägt von verschiedenen Kulturen, Erfahrungen und Wegen.
00:02:17: Heute bin ich Pädagogin, Koordinatorin vom Familienzentrum der Evangelischen Kirche und Arbeiter aus Ton-Lehm-Therapeutin.
00:02:26: Ich begleite Kinder, Jugendliche und Familien – das ist meine Berufung.
00:02:32: Aber mein Leben Hat nicht in Deutschland begonnen?
00:02:37: Ja, ich bin Deutsche.
00:02:39: Aber ich bin nicht in Deutschland geboren.
00:02:41: Vielleicht fragst Du Dich!
00:02:43: Wie passt das
00:02:44: zusammen?!
00:02:46: Wie kommt es, dass deutsche Familienländer wie Kyrgyzstan gelebt haben?
00:02:50: Meine Familie lebte ursprünglich in einem deutschen Dorf der Ukraine und dann kamen der Krieg, forty-fünf.
00:02:59: Als Deutsche einmarschierten durften Meine Eltern, besser gesagt meine Mama nach Leipzig ausreisen.
00:03:06: Doch als die russische Truppen einmarschiert waren wurden meine Familie verhaftet.
00:03:14: wie viele Deutsche.
00:03:15: sie wurden in Fiebergons deportiert In den Norden Nach Arkhangelsk.
00:03:21: Dort lebten die in der Gefangenschaft Mit Hunger mit Kälte und ganz viel Angst.
00:03:30: Viele Menschen starben weil.
00:03:33: manchmal haben die Eltern den Kinder ihr Stück Brot aufgegessen.
00:03:38: Meine Oma und meine Mama, als älteste Tochter sammelten Kartoffelschalen auf dem Müll der Russen um zu überleben und kochten sich daraus eine Suppe.
00:03:52: draußen war minus vierzig Grad Und sie mussten im Wald arbeiten.
00:03:58: Es war sehr kalt und meiner Mama war erst siebzehn Jahre alt.
00:04:04: Später wurde sie achtzehn.
00:04:06: Ihre Fußnägel waren erfroren und Sie haben sehr, sehr gelitten – sehr!
00:04:14: Erst Jahre später bekamen sie Papiere ein Pass, wo drin stand Nationalität Deutsch Und genau das bestimmte ihr weiteres Leben.
00:04:28: Sie haben von jemandem gehört dass in Kyrgyzstan viele Deutsche leben und dass sie da gut behandelt werden.
00:04:36: Also haben sie sich entschlossen, dahin zu ziehen.
00:04:40: Und da begann das Kapitel meiner Familie.
00:04:45: und dort, genau dort beginnt auch meine Geschichte Nachdem meine Mama zwei Kinder verloren hat also besser gesagt ein Kind ist gestorben weil sie einfach die Kinder nicht austragen konnte.
00:05:04: durch ihre Vergangenheit kam meine Schwester, die auch nur ganz wenig Wurk und damals durch die Techniken, durch die medizinische Techniken ihr nicht geholfen werden konnte hat meine Oma sie übernommen.
00:05:22: Und endlich dann im Jahr onehtausendneut hundertundsechzig bin ich in Kyrgyzstan geboren als ein Kind mit einem normalen Gewicht.
00:05:35: Aber meine Eltern haben viel zu arbeiten gehabt und hatten eigentlich ganz wenig Zeit für die Kinder.
00:05:40: Sie wollten ihr Leben neu aufbauen.
00:05:43: Wenn ich jetzt an Kyrgyzstan denke, dann sehe ich die Natur von meinen Augen – die Berge, die Seen….
00:05:53: Man sagt dazu wie in der Schweiz nur etwas ärmer?
00:05:59: Die Weite, die Berger, den Himmel...
00:06:05: Das ist ja eine ganz große Bandbreite gerade, die du ansprichst und vielleicht fasse ich es nochmal ganz kurz zusammen weil uns vielleicht nicht alle ganz genau folgen können.
00:06:17: Also früher im achtzehnten Jahrhundert hat die Zarin Katarina die zweite praktisch deutsche bewusst oder gezielt ins russische Reich eingeladen mehr oder weniger um die Landwirtschaft dort zu entwickeln und Grenzregionen so besiedeln Und viele haben sich an der Volga angesiedelt oder im Schwarzwaldsmehrgebiet der heutigen Ukraine.
00:06:40: Wenn ich das so richtig hinkriege und viele von ihnen lebten natürlich über Generationen dort und haben praktisch Deutsch gesprochen, die Kultur behalten waren aber staatsrechtlich russische Untertanen.
00:06:57: Umgefähr, na wissen wir ja, neun, dreißig bis viertzig war der Zweite Weltkrieg die Sowjetunion einen Vierzig überfallen.
00:07:07: Und dort, wo deine Vorfahren gelebt haben... Du kannst mich gerne korrigieren wenn ich was Falsches sage, wurden jetzt mal die Nazis offen empfangen?
00:07:17: Vielleicht nicht unbedingt jetzt als Pro-Deutsche oder haben alles gutgeheißen, was die Nazis gemacht haben sondern weil es einfach ungefähr nicht ganz zehn Jahre ist glaube ich vorher zweiunddreif, dreientreißig ja auch den Holodomor gab und die Politik sag' ich jetzt mal von Stalin den Leuten vor Ort nicht gefallen hat, wenn ich jetzt mal richtig bin.
00:07:38: Oder wegen... Man kann das nicht pauschalisieren aber im großen Teil wahrscheinlich war es so und wie du schon erwähnt hast durften die dann aussiedeln oder umsiedeln nach Leipzig, hast du gesagt?
00:07:49: Ist das richtig?
00:07:50: Ja!
00:07:51: Und dann waren natürlich die Wände, also nicht die Wende Deutsch-Deutsch sondern im zweiten Weltkrieg dass dann die Deutschen mehr und mehr an Boden verloren haben, die Sowjetunion bis in die jetzigen Ostgebiete von Deutschland vorgetrunken sind und haben dann praktisch dort die Menschen in Fiehwaggons usw.
00:08:10: deportiert in Lager, in der Sowjetunion hauptsächlich glaube ich im Norden oben am Weisen Meer also noch natürlich wie St.
00:08:19: Petersburg nördöstlich und ich glaube auch in Sibirien nach den anderen Gebieten.
00:08:26: Wie nannte man das Gulag, glaube ich?
00:08:29: Oder das war ein riesiges Netzwerk an Gefängnissenarbeitslager, Zwangsarbeitslage wo die Menschen natürlich unter übelsten Verhältnissen gelebt haben und Großprojekte in der Sowjetunion.
00:08:41: Ich glaub es waren Zugstrecken Es waren Kanäle, es waren sonstige Dinge die einfach der Sowjets Union dienen sollten und praktisch Wohlstand und so weiterbringen sollten.
00:08:55: Es war nicht schön und mein Gedanke war, was ist das Erste über die Geschichte deiner Familie?
00:09:04: Was du weißt.
00:09:06: Das erste, was ich über die Geschichte meiner Familie weiß, dass meine Eltern sich da gerade an der chinesischen Grenzen kennengelernt haben.
00:09:20: Beide waren auch Plattdeutsch, das heißt sie konnten dieselbe Sprache und die selbe Kultur.
00:09:27: Und da hat eigentlich so mein Leben ja angefangen.
00:09:31: In diesem wunderschönen Land im Winter mit minus fünfundzwanzig und im Sommer plus fünfunddreißig war es eigentlich sehr schön!
00:09:42: Mein Papa war Schreiner mit deutscher Qualität ein sehr guter Arbeiter und er arbeitete in der Schreinerei vom Ministerium.
00:09:51: Und zu Hause hatte auch eine eigene Schreinnerei gehabt, wo er für andere Menschen dann Fenster, Türen, Möbel anfertigte.
00:09:59: Mein Vater war auf der Arbeit sehr, sehr beliebt.
00:10:03: Dadurch haben wir auch Schwierigkeiten gehabt mit der Ausreise weil das KGB war gut informiert und wir haben jedes Mal wenn wir ein Visum gestellt haben wieder ne Absage bekommen.
00:10:17: Aber zu Hause war es bei uns wunderschön.
00:10:21: Ich konnte schon mit zwölf Jahren aus der Holzwerkstatt von meinem Vater Holz holen, aus Lehm machte ich Ziegeln, habe ich bei meinen Papa gelernt und baute mir kleine Spielhäuser.
00:10:34: Ich war sehr stolz auf das was ich hatte und was ich konnte.
00:10:39: Es war mein Raum und meine Welt Und trotzdem war mein Leben nicht so einfach.
00:10:45: Wie waren Deutsche?
00:10:47: Und wir waren Christen.
00:10:49: Als deutsches Kind warst du anders, man hörte es, man sah es und spürte es.
00:10:59: Wenn jemand wusste dass du Deutsch bist, konntest passieren das er dich verspoterte.
00:11:06: Hei Hitler rufte man!
00:11:08: Als Kind verstehst Du das nicht aber Du spürst das.
00:11:12: Das ist nicht gut.
00:11:13: Ich habe gelernt vorsichtig zu sein.
00:11:16: Zuhause sprachen wir Deutsch hinter dem Tor, russisch.
00:11:23: Darf ich dich was fragen?
00:11:24: Ja!
00:11:25: Wie hieß der Ort am meisten mehr oben wo deine Großeltern waren?
00:11:30: Wo sie verschleppt wurden, Arkhangelsk?
00:11:34: Ok und jetzt sprichst du darüber dass deine Eltern dich an der chinesischen Grenze kennengelernt
00:11:40: haben.
00:11:41: Und jetzt frage ich mich wie man von Dort oben in Russland die fünftausend Kilometer zu der damaligen Zeit, also deine Großeltern praktisch irgendwann umgesiedelt sind.
00:11:55: Wenn sie eigentlich, sage ich jetzt mal, in Lager waren hat man darüber gesprochen.
00:12:01: gab es da Ereignisse, die vielleicht immer wieder weitergegeben wurden innerhalb eurer Familie oder war das überhaupt kein Thema?
00:12:09: Das weiß ich nicht genau.
00:12:11: Irgendwie haben die ja Informationen gehabt.
00:12:13: Mein Papa kam ja von den Volga-Deutschen und hat eigentlich noch mal eine andere Geschichte, und die haben sich nicht da oben in Arkhangels kennengelernt.
00:12:25: Das war die Geschichte meiner Mama.
00:12:27: Inwieweit sie das gehört haben ... Ich habe mich das auch oft gefragt.
00:12:32: aber ich vermute man hat sich irgendwie einer von dem anderen erzählt dass da unten viele Deutsche leben Weil sonst hätten sie das nicht erfahren und die haben ja später erst ihr Ausweis bekommen, wo ganz dick drin stand.
00:12:48: Ihr habt deutsche Nationalität also konnten Sie mit diesem Ausweis Leben weiterreisen aber für das Leben in einem kommunistischen Land einem Land dass sowieso Probleme hatte mir den Deutschen war das nicht besonders angenehm.
00:13:04: Und zu dir zurück weil du es jetzt auch darüber erzählt hast.
00:13:10: Man hat so das erste Mal verstanden, dass unsere Geschichte nicht normal ist.
00:13:16: Das habe ich verstanden als ich in die Schule kam.
00:13:19: also wir haben ja zu Hause nur Deutsch gesprochen und mein Russisch war nicht besonders gut und in der Schule musste ich ja dann russisch reden.
00:13:27: und dann habe ich gesehen wie sind anders?
00:13:30: aber ich hab es auch zuhause gesehen denn wir haben in einer Ecke gepackte Koffer gehabt mit Bettsachen und Sachen, die wir mitnehmen, wenn wir nach Deutschland gehen.
00:13:41: Meine Kindheit war geprägt davon, dass in der Ecke Sachen stehen, die vielleicht bald mal aktiviert werden und mitgenommen nach Deutschland.
00:13:53: Ich wusste nicht, wann es passieren wird.
00:13:56: Und so lebten wir normal jeden Tag aber mit dem Gedanken im Hinterkopf eines Tages werden wir nach Deutschlands zurückgehen.
00:14:05: Davon ... war meine Kindheit geprägt, aber da kam ja auch noch was anderes dazu.
00:14:11: Meine Eltern waren ja Christen und glaubten an Gott!
00:14:15: Und das hat mein Leben sehr früh und schon sehr stark geprägt.
00:14:21: Denn die Christen hatten ein Verbot sich zu treffen – so durften sie nur ihren Glauben in Häusern versteckt leben.
00:14:31: Wenn der Gottesdienst gerade bei uns zur Hause stattgefunden hat… musste ich an der Ecke, an der Hauptstrasse stehen und gucken ob die Polizei nicht in unsere Richtung fährt.
00:14:41: Und dann schnell nach Hause rennen und den Leuten sagen auseinander, dass die Polizei kommt Denn einige davon sind gerade Männer ins Gefängnis gekommen damit sie die Religion nicht weiter verbreiten.
00:14:57: Mir wurde schon als Kind in der Schule erzählt An Gott glauben nur die, die nicht gebildet sind die nicht wissen, dass es kein Gott gibt.
00:15:06: So was bei mir schon ganz früh klar meine Eltern sind nicht genug gebildet.
00:15:11: Deswegen glauben sie an Gott aber ich nicht!
00:15:16: Aber trotzdem waren's meine Eltern und ich machte mir Sorgen um sie.
00:15:21: Ich wollte nicht, dass mein Papa im Gefängnis landet wie sein Freund Und so stand ich immer schmieren.
00:15:29: Okay jetzt muss ich losrennen.
00:15:32: Unter meiner Matratze waren Teile von der Bibel versteckt, weil man hat gehofft wenn wir Durchsuchungen haben dass sie nicht unter die Matratzer eines Kindes schauen würden.
00:15:44: Ich lebte in zwei Welten zu Hause glaube Angst Zusammenhalt In der Schule Anpassen und viele hatten Respekt vor mir.
00:15:55: ich musste oft meinen Bruder beschützen.
00:15:57: er wurde geschlagen beleidigt nur weil er Deutscher war.
00:16:02: Ich wollte nicht zu den christlichen Kindern gehören, sie wurden ausgelacht vor allem.
00:16:07: Manchmal in der Schule musste man sich treffen mit allen zusammen und die wurden nach vorne gestellt und einfach ausgelacht.
00:16:16: ich hatte Mitleid mit ihnen aber ich selbst glaubte nicht an Gott.
00:16:21: für mich war das Glauben meiner Eltern Tradition nicht meine Entscheidung.
00:16:27: ich wollte frei sein und ich wollte auf keinen Fall dazu gehören.
00:16:32: Ich trug heimlich ein rotes Tuch.
00:16:35: Das trugen die Kinder in der Sowjetunion, das wollte lehnen so.
00:16:41: Ich versteckte das regelmäßig in der Tasche damit meine Eltern das nicht
00:16:45: sahen.".
00:16:47: Wenn ich es richtig verstehe?
00:16:50: Du hast über Angst gesprochen.
00:16:52: mal deine Angst dadurch geprägt dass dein Vater ins Gefängnis kommen könnte, richtig?
00:16:59: Ja Da war mein Leben ganz arg geprägt.
00:17:03: In mir war eine ganz große Angst, dass das irgendwann passieren
00:17:06: würde.".
00:17:07: Du sagst, die Kinder ... Ich drück's mal in meinem Verständnis ausgemobbt werden.
00:17:15: Vorne hingestellt wurden und ausgelacht.
00:17:19: Kannst du dich an gezielte staatliche Maßnahmen oder weitere Maßnahmen erinnern?
00:17:26: Weil letztendlich, wenn ich es richtig verstehe wusste niemand, dass ihr Christen seid.
00:17:32: Sondern das die Art und Weise wie dein Bruder behandelt wurde deswegen zustande kommt oder kam weil ihr Deutsch wart richtig?
00:17:42: Ja richtig!
00:17:44: In der Schule in meiner Klasse bei meinen Freunden wusste keiner, dass meine Familie Christin sind.
00:17:52: ich mein es war schon schlimm genug, dass sie Deutsche sind und noch Christin.
00:17:57: das wäre einfach zu viel.
00:18:00: Aber eines Tages ist es aufgeflogen.
00:18:04: Meine Lehrerin sagte zu mir, weil ich war ziemlich gut in der Schule, ich konnte immer gut reden und vor allen Dingen war ich lustig.
00:18:12: Ich brachte alle Menschen zum Lachen Und sie sagten, hast du heute Zeit?
00:18:18: Wir gehen von Haus zu Haus und notieren uns die Familien Die Häuser wo Christen wohnen aber da ihr keine Christian seid Ist das ja überhaupt kein Problem?
00:18:31: Du bist zwar Deutsch, aber du bist kein Christ.
00:18:35: Und das ist entscheidend!
00:18:38: Ich dachte mein Herz bleibt stehen... ich hatte Angst und meine Angst wuchs von Haus zu Haus weiter.
00:18:47: Und ich dachte nur bitte nicht in die Straße!
00:18:50: Bitte nicht da rein!
00:18:52: Das ist mein Zuhause!
00:18:53: Oh nein!
00:18:56: Mein Atem blieb stehen.
00:18:58: Genau da standen wir vor unserem Haus.
00:19:03: Und das Schlimme noch, meine Oma war zu Besuch da – sie sprach sehr schlecht Russisch und die Lehrerin fragte sie, sind Sie Christen?
00:19:14: Und meine Omas antwortete natürlich selbstverständlich ohne Gott würde das Leben gar nicht weitergehen!
00:19:23: Und ich wusste dass es schlecht, sehr schlecht für meine Familie und auch für mich stand dazwischen zwischen meiner Familie und der Schule, zwischen Wahrheit und Angst.
00:19:37: Zwischen zwei Welten.
00:19:40: Darf ich fragen was es dann ab dem Moment für dich persönlich verändert hat?
00:19:45: Für mich persönlich hat sich in dem Moment viel und nicht viel verändert.
00:19:52: Ich wusste dass sie es jetzt weiß und das ich jetzt von ihr persönlich gemobbt werde Das war mir hundertprozentig klar und dass sie jede Lücke ausnutzen wird, um mir bewusst weh zu tun.
00:20:06: Und das ich jetzt damit leben muss.
00:20:10: Ich war sauer aber irgendwie auch ein Kind in dem so viele Resilienz an ihnen drin waren, dass ich bereit war diesen Weg zu gehen.
00:20:23: Nächsten Sommer, also den Sommer, der dann kam merkte ich Die erste Sache.
00:20:30: Jeden Sommer mussten die Schüler mindestens ein Monat auf dem Feld arbeiten, Maisfelder, Zuckerrübenfelder und alles was so anlag.
00:20:42: Jeder Schüler bekam eine Reihe zum Haken.
00:20:45: Das war so Und manche Kinder waren schnell.
00:20:49: Manche waren sehr schnell Aber manche waren noch einfach faul weil sie wussten ganz genau, dass ihnen jemand hilft der ganz schnell ist.
00:20:59: Und ich habe geschaut wie es wirklich faul.
00:21:03: dem hab' ich nicht geholfen und nur den geholften die wirklich schlecht konnten.
00:21:08: Ich hatte einen Mädchen in der Klasse und sie war körperlich behindert und sie konnte mich.
00:21:15: das wusste ich und sie musste trotzdem arbeiten.
00:21:18: eher habe ich immer geholpen.
00:21:20: Ich habe immer geschaut nach Gerechtigkeit Doch das wurde negativ ausgelegt.
00:21:26: In meinem Zeugnis stand, dass ich Deutsche bin und nur Christenhelfe.
00:21:32: Das stimmte nicht!
00:21:34: Ich war selbst kein grübiges Kind – ich war einfach neuen Kind, das gerecht sein wollte.
00:21:39: Aber der Satz stand da schwarz auf weiß Und ich wusste dieser Satz wird später folgen haben für mein Studium, für mein Leben und vielleicht bekomme ich auch keinen Studienplatz.
00:21:52: Ich wollte ja unbedingt Pädagogin werden.
00:21:55: Das war mir ab dem Moment
00:21:56: klar.".
00:21:58: Es war dir klar, dass es dir deine Zukunft verbauen wird?
00:22:03: Weil damals... also jetzt rückblickend weißt du ja okay, das hat sich alles verändert.
00:22:08: Irgendwann kamen sie auch August die Sieben und siebzig
00:22:10: usw.,
00:22:11: dass ihr ausweisen dürftet.
00:22:13: aber damals man wusste es ja nicht und letztendlich erkannte Diese Aussagen, die die Lehrerin jetzt praktisch dort schriftlich festgehalten hat.
00:22:23: Hat Konsequenzen eigentlich für dein ganzes zukünftige Leben richtig?
00:22:27: Ja!
00:22:28: Okay du sprachst darüber Du standest Schmieren während dem Gottesdienste gefeiert wurden auch aus Angst heraus dass zum Beispiel dein Vater festgenommen werden konnte und dann nicht mehr da wäre.
00:22:45: Jetzt ist es ja so.
00:22:46: das nachdem was du erzählst war sehr öffentlich oder es war bekannt.
00:22:50: War sowas dann meldepflichtig für die Lehrerin?
00:22:54: Haben sich danach diese Situation verändert auch für euch als Familie, für deine Eltern?
00:23:01: Ja ganz bestimmt weil jetzt wussten ja alle offiziell dass bei uns auch manchmal treffen stattfinden also Gottesdienste und da hat die Polizei einen ganz besonderen Augenblick drauf gerichtet und halt mehr kontrolliert als sonst.
00:23:20: Aber die Christen hatten keine Angst, die Christinnen haben sich immer wieder getroffen.
00:23:26: auch meine Eltern haben mit dem Risiko gelebt dass es passieren kann.
00:23:31: nur für mich als Kind war es echt schwierig und unangenehm das zu tun weil ich wusste okay sonntags wird's kein normaler Sonntag sein diesen sonntag ist Gottesdienst bei uns.
00:23:47: Dann wird die Möbel zur Seite gerückt und die Bänke hingestellt, dann geht das an die Hauptstraße um da zu stehen.
00:23:55: Das war nicht so angenehm ja!
00:23:58: Wenn wir uns woanders getroffen haben – also meine Eltern und manchmal bin ich auch mitgegangen weil ich wurde ja von meinen Eltern dazu gezwungen – dann hat es mich wenig berührt, weil ich habe gedacht, dann betrifft das jemand anders.
00:24:14: Ich hatte ja auch mein Leben noch, mein Leben das ich liebte.
00:24:18: Und es war immer sich um Menschen kümmern und Kinder kümern, denen es schlechter ging als mir.
00:24:26: Am See in der Nähe von uns lebten wirklich arme Kinder.
00:24:30: die Eltern waren Alkoholiker und die Kinder waren schlecht versorgt.
00:24:35: Und ich habe die Kinder gekämmt, gewaschen und ihnen Essen gebracht und sogar die Kleider aus meinem Kleiderschrank, die nicht mehr passen.
00:24:46: Ich lieb das und tagsüber liefen die Kinder mir immer nach.
00:24:50: Ich spielte mit denen aber abends wollte ich genauso eine Jugendliche sein wie alle andere mich der Gesellschaft anpassen.
00:24:58: Und ich hatte auch wirklich viele Freunde.
00:25:02: Ich habe es immer wieder geschafft durch meine Art Freunde zu finden, die Nichtgesagt haben Du bist Deutsche oder deine Eltern sind Christen.
00:25:13: Sie haben gemerkt, ich bin genauso wie sie und ich bringe sie alle zum Lachen.
00:25:19: Deswegen war das meine Welt und das andere Zuhause war auch meine Welt eben die andere Welt.
00:25:28: Schon als kleines Mädchen spielte ich immer mit Puppen, die ich aus Papier gebastelt hatte Und es macht sich auch ganz lange weiter Und ich spielte immer, dass ein Vater, Mutter und das sind Kinder der Adoptivkinder sind.
00:25:45: Ich wusste damals es wird mein Weg sein!
00:25:49: Es wird irgendwie mein Weg seien, dass sich mich um die Menschen, um die Kinder kümmern werde, denen's eben nicht so gut ging.
00:25:58: Dann kam ein Moment – August.
00:26:04: Da würde ich jetzt noch gar nicht reingehen, ich habe noch ein paar andere Fragen.
00:26:09: Und zwar die Menschen haben an ihrem Glauben festgehalten obwohl sie wussten dass sie verfolgt werden oder das es staatliche Maßnahmen geben könnte.
00:26:18: was denkst du was ihnen die Kraft dazu gegeben hat?
00:26:21: Oder warum haben Sie das gemacht?
00:26:22: Sie hatten unwahrscheinlichen Glaubens an den Gott und Gott hat ihn auch wirklich in ganz vielen Momenten geholfen.
00:26:31: Ich habe ein Beispiel, einen Freund von meinem Vater, der später auch der Pastor war in der Funkstatt der Baptistenkirche.
00:26:42: Der saß zehn Jahre im Gefängnis also nicht ganz zehn Jahren und man konnte ja sagen er hat zehn Kinder zu Hause.
00:26:51: wer versorgt diese Kinder?
00:26:53: aber es funktionierte mein Papa half oft schreiener Sachen bei denen zu machen.
00:26:58: andere Menschen helfen ihnen Und auch mit wenig Geld, was sie hatten.
00:27:02: Weil Sie hatten ja keinen Verdienst mehr vom Vater, konnten sie überleben und das ist schon ein Wunder.
00:27:10: Damals habe ich das nicht als Wunder gesehen.
00:27:12: klar Wenn ich heute zurück denke, denke ich dass war ein Wunda.
00:27:17: Und aus dieser Familie dann eine Erlaubnis bekam nach Deutschland zu fahren, zu reisen Ist der Vater aus dem Gefängnis entlassen worden?
00:27:27: weil dann Ist ja Kyrgyzstan ihm los geworden.
00:27:31: Er ist ja danach Deutschland gefahren.
00:27:34: Gibt es eine Geschichte aus deiner Familie, die du jetzt noch nicht erzählt hast?
00:27:39: Die dich bis heute nicht loslässt?
00:27:41: Ja!
00:27:42: Die gibt das.
00:27:44: Die hätte ich fast vergessen.
00:27:45: Da habe ich zum ersten Mal zu Gott gebetet.
00:27:50: Meine Eltern haben viele Jahre später noch ein Wunschkind gehabt und haben das auch bekommen... Das ist mein kleiner Bruder.
00:28:00: Der wurde Rudolf genannt und dieser Name... Ich habe ihm nicht gemocht, ich hab ihn gehasst!
00:28:09: Wir konnten meine Eltern meinen Bruder in einem Land wo deutsche Gehasst werden Rudolf nennen.
00:28:16: Das war für mich genauso wie Adolf aber meine Eltern haben das getan.
00:28:21: Sie haben ihn bewusst Rudolf nennt.
00:28:25: Als mein Bruder Ein Jahr alt war, er war sehr oft krank hatte Lungenprobleme.
00:28:32: Dann lag er im Sterben.
00:28:35: Er lag wirklich im Sterbe weil seine Lunge nicht mehr funktionierte und die Medizin war damals ja nicht so gut dass man ihm gleich retten konnte.
00:28:45: Man hat ihn mit Sauerstoff beatmet Und man hat den uns Eltern, also nicht uns Eltern sondern meinen Eltern gesagt ihr wird nicht mehr lange leben.
00:28:55: Er hat keine Chance.
00:28:57: und ich habe mir davor erzählt das war ja ein großes Wunschkind meiner Eltern.
00:29:02: und dann hab' ich gesagt Gott wenn es dich wirklich gibt dann kannst du meinen Bruder gesund machen.
00:29:13: und ihr glaubt oder nicht?
00:29:17: Eintag später Einen Tag später fing er an zu atmen.
00:29:23: Alleine zu Atmen, aber mein Glaube war auch zwei Tage später wieder weg weil ich dachte okay das war ein Zufall.
00:29:32: heute würde ich sagen es war kein ZufAll.
00:29:35: Das ist ein Erlebnis was mich total geprägt hat wo ich dann kurz an den Glauben meiner Eltern festhielt
00:29:43: Du kennstes Leben hier und wie Kinder hier aufwachsen.
00:29:49: Und du kanntest oder kennst ja die Situation, wie Kinder vor Ort, die nicht Deutsch waren und auch nicht gläubig waren.
00:30:01: Dein Leben als Kind war ja ganz anders als diese beiden Formen, wie du jetzt bereits erzählt hast.
00:30:09: Gab es Dinge, die für uns vielleicht unvorstellbar sind?
00:30:15: Aber für dich damals normal waren?
00:30:19: Unvorstellbar ist, dass Kinder in meinem Alter damals schon so viel Freiheit hatten.
00:30:26: Ich hatte viel mehr Freiheit und habe sehr früh meine eigenen Entscheidungen getroffen.
00:30:33: Natürlich wurde ich zu Hause erzogen oder ... mir wurden Sachen gesagt, die nicht okay sind.
00:30:40: Aber ich habe für mich sehr viele Sachen schon selbstfrei entschieden und ich durfte auch frei Fehler machen und die Fehler musste sich dann auch einstecken.
00:30:50: was die Kinder heutzutage oft hier nicht haben.
00:30:53: sie werden ja kontrolliert viel mehr Kleine Sachen ganz groß thematisiert und macht aus kleinen Problemen große Probleme.
00:31:04: Man sieht diese Lockerkeit nicht mehr in der Erziehung, das fehlt heutzutage.
00:31:10: Das habe ich gemerkt – das ist anders!
00:31:15: Was natürlich anders war, ich musste sehr früh schon sehr viel Verantwortung tragen.
00:31:19: Die Kinder brauchen es heutzutage nicht.
00:31:21: Welches Kind muss hier schon im Alter von neunzehn Jahren irgendwo schmieren stehen?
00:31:27: Klar gibt das in Deutschland auch Kinder denen's nicht gut geht.
00:31:30: ja zu denen werde ich vielleicht auch später noch mal kommen.
00:31:34: aber In Wirklichkeit ist es ja so, dass die Kinder hier im großen Tal viel Behüteter aufwachsen und ich schon sehr, sehr viel Verantwortung tragen musste.
00:31:46: Und das sehr früh.
00:31:48: Nachdem rauskam, dass ihr Christenseit – das ganze Praktische auch als Kind vielleicht selbst ausgelacht zu werden, gemobbt zu werden oder ausgegrenzt zu werden weil man Deutsch ist, weil jetzt herauskommt, dass Ihr Christenseid Gab es in der Zeit dann auch Momente der Hoffnung und der Freude?
00:32:07: Ich habe ja vorhin schon erwähnt, dass ich eigentlich nicht so ausgelacht und gemobbt wurde.
00:32:16: Von der Lehrerin ja okay, in meinem Zeugnisstands drin ja ok aber ich war ein Kind der Fröhlichkeit und ich frage mich immer wo hab' ich das genommen?
00:32:29: diese Lockerheit und Fröhlichkeit trotz allem.
00:32:33: Und dadurch haben die Menschen, die Kinder das nicht unbedingt so bei mir gesehen.
00:32:39: Ich war diejenige, die diese zwei Welten gesehen habe aber wenn ich mich mit den Freunden traf werden unser Triffpunkt am See dann war ich eine von innen.
00:32:49: ja klar hab ich immer ein bisschen Angst gehabt dass sie das Thema anpangen oder irgendjemand sagt, du bist ja auch Deutsch oder deine Eltern glauben ja an Gott.
00:32:59: Oder deine Schwester!
00:33:02: Weil meine Schwester wurde auch sehr, sehr arg gemobbt und sie hat sogar die Schule verlassen weil sie war hochbegabt.
00:33:10: aber in der Schule wo ich war konnte es nicht länger bleiben weil sie auch Christ war und an Gott glaubte.
00:33:19: Und sie wurde dann in einer anderen Schule für Hochbergabte Kinder in der Stadt hingeschickt und aus meiner Schule, wo ich war rausgenommen.
00:33:30: Deswegen habe ich ein wenig zwei Welten wirklich gehabt eine Welt zu Hause und eine Welt da draußen.
00:33:39: Und für mich war es ganz wichtig dass die Welten sich nicht zusammen mischen weil dann würde es für mich schlecht ausgehen oder schlecht aussehen und da wäre ich vielleicht auch sehr einsam Zuhause.
00:33:50: aber Ich war ein glückliches fröhliches Kind mit zwei Welten, die eigentlich gar nicht bereit war nach Deutschland auszuwandern und sich überhaupt nicht freute, dass ihre Eltern das vorhatten.
00:34:06: Wenn ich an mich denke ist es manchmal so, dass man ja unbewusst Dinge übernimmt von seinen Eltern oder Großeldern?
00:34:14: Gibt es Dinge von deinen Eltern oder Grosseltern, die du bewusst oder unbewust übernommen hast wo du dich in ihnen wiedererkennst?
00:34:24: Ja, es gibt ja Sachen die man bewusst übernehmen möchte.
00:34:31: Aber es gibt auch Sachen, die man bewusst nicht übernehmen will.
00:34:36: Also meine Eltern sind mit einer großen Angst und Unsicherheit groß geworden.
00:34:43: Angst dass sie nicht genug zu essen haben.
00:34:46: Angst das sie aus Christen verfolgt werden.
00:34:49: Die Kanton was ist richtig Hunger zu haben?
00:34:52: Und vielleicht zwei, drei Tage kein Essen haben.
00:34:56: Die hatten Angst dass jemand sie verfolgt und diese Angst war schon in mir drin das habe ich viele viele Jahre auch gemerkt.
00:35:07: Und auch die Angst dass wir eben nicht genug Geld haben uns genug Sachen zu kaufen.
00:35:14: Die war schon da und kam immer wieder in mein Leben zurück.
00:35:19: was meine Eltern mehr aber auch mitgegeben haben Was ich so an, wenn ich an meine Mama zurückdenke.
00:35:28: Ihr Glauben ja ihr tiefer glauben.
00:35:31: und gerade meine Mama hat mir oft gesagt Gott erhört Kindergebete ihre Mutter war auch mal sehr sehr krank Und die waren Kinder kleine Kinder und sie hatte eine Blutvergiftung.
00:35:46: uns haben das kinder für sich gebetet Wo es keine hoffnung gab und sie wurde wieder gesund.
00:35:52: Und diesen Glauben, die es tief in meinem Herzen verankert hat.
00:35:59: Was meine Mama damals gesagt und gemacht haben.
00:36:03: Und vielleicht eben jetzt in Deutschland zu leben und zu glauben ohne Angst zu haben.
00:36:14: Das hat sich verändert.
00:36:15: Das musste meine Eltern auch erst mal lernen.
00:36:19: Gab es Dinge, die du später ... Also jetzt in der Zeit wo du hier lebst, dass später Verstanden hast oder aufgearbeitet hast aus dieser Zeit?
00:36:33: Ja ich habe ganz viele Sachen aufarbeiten müssen.
00:36:37: Ich hab auch ganz vieles verstanden wie Kospa.
00:36:41: es ist in kompletter Freiheit zu leben und komplett selbst zu entscheiden und nicht Angst haben vor Regierung Obrigkeit vor Chefin, ja.
00:36:56: Weil die erste Zeit so jemand der eine höhere Position hatte für mich immer so beängstlich war.
00:37:04: ich habe immer so ein KGB gedacht an jemand der geheim dich aushört und das musste bei mir frei werden.
00:37:15: Wenn Menschen deine Geschichte hören was sollen sie verstehen?
00:37:20: Die so eine Geschichte noch nie erlebt haben.
00:37:23: Oh, was Sie verstehen sollen.
00:37:26: Ich glaube ich wünsche mir dass die Menschen dankbar sind.
00:37:32: Dankbar für das was sie haben und auch nicht unbedingt zurückschauen sondern immer nach vorne schauen weil zurück ist eine Geschichte.
00:37:45: aber nach vorne zu gehen Das ist ne andere Geschichte Und das wünsch' ich eigentlich allen zu hören.
00:37:51: Egal wie schlimm deine Geschichte hinten war oder wie schwer sie war, es gibt immer eine Geschichte da vorne.
00:37:59: Was denkst du was wir von euch oder von deinen Eltern oder Großeldern bezüglich des Glaubens lernen können?
00:38:08: Wahnsinnig die Treue und keine Angst zu haben.
00:38:12: Keine Angst zu sein Glauben zu stehen!
00:38:16: Wenn ich jetzt so denke... Ich bin ja Familienzentrumkoordinatorin und habe ein Café interkulturell.
00:38:26: Und da kommen auch viele muslimische Menschen, und sie reden offen über ihren Glauben und haben keine Angst, über den Glaubens zu reden.
00:38:36: Wir Christen wissen wir werden nicht verfolgt, wir kommen nicht ins Gefängnis aber wir haben oft Angst.
00:38:47: was denken die Anderen darüber?
00:38:49: wenn ich offen über meinen Glaubengräder
00:38:52: Ich stelle jetzt mal eine These auf.
00:38:54: Die muss nicht der Wahrheit entsprechen, aber man kann es vielleicht für sich persönlich jeder hinterfragen.
00:39:00: Du sprichst gerade darüber oder hast darüber gesprochen dass Muslime in das Café kommen und frei über ihren Glauben sprechen Und wir Gehandicap sind Darüber zu sprechen weil du glaubst Das ist wie du selbst erfahren hast in deinem Leben um Anerkennung und so weiter geht.
00:39:16: Es ist interessant.
00:39:18: ich habe früher mal drüber nachgedacht.
00:39:20: Warum ist das so?
00:39:22: liegt es vielleicht daran, dass mir die Anerkennung oder was Menschen über einen denken, mir das Wichtiger ist wie Gott.
00:39:32: Ich will das nicht für alle gemeinern – es könnte so sein aber auf der anderen Seite könnte es auch so sein, dass wir ständig in diesem Kampf stehen und uns das natürlich dann hemmt, Gott zu bekennen weil man nicht ausgegrenzt werden wollen!
00:39:47: Und auf der andern Seite habe ich darüber nachgedacht.
00:39:50: Jemand wollte mal groß evangelisieren und fragte mich, was ich davon halte.
00:39:55: Und ich habe die Person gefragt.
00:39:57: Ich möchte keine Antworten aber stelle dir mal folgende Fragen selbst.
00:40:02: Warum man das tun möchte?
00:40:04: Und dann habe ich gesagt wie sieht es denn aus?
00:40:06: auf deiner Arbeit oder mit Freunden, Mit Nachbarn, mit Familienmitgliedern usw.
00:40:12: Wissen die dass du Christ bist?
00:40:15: wissen die dass Du Jesus liebst?
00:40:17: und wenn nicht warum nicht?
00:40:20: Weil man selbst zweifelt, weil man selbst vielleicht nicht denkt dass es die Wahrheit schlechthin ist.
00:40:27: Und dann kam dazu... Also wenn ich nicht hundertprozentig überzeugt bin das mein eigener persönlicher Glaube richtig ist warum will ich dann groß evangelisieren?
00:40:38: Warum möchte ich irgendwo eine Bühne?
00:40:40: brauche ich die Bühnen um vielleicht einfach nur ein Mangel zu kompensieren?
00:40:47: Liebe, Zuneigung, Anerkennung.
00:40:49: Und das waren Fragen, die mich schon in den letzten Jahren viel beschäftigt haben und ich habe auch für mich eine eigene Lösung gefunden.
00:40:57: Ich habe ja mal bei dem Jubiläum sprechen dürfen und habe rückwirkend, bin ich Gott dankbar, dass er mir das gezeigt hat, habe ich selbst die Erfahrung gemacht oder ist mehr die Erkenntnis gekommen über mich selbst?
00:41:09: Dass es früher am Anfang aus dieser Mangel, Liebe, Zuneigung und Anerkennung viele Dinge an mich gerissen habe oder die Handgruppen hab.
00:41:17: ich mach's weil ich gesehen werden wollte.
00:41:20: Und... Die gut aussahen aber nicht diese geistische Tiefe oder Substanz hatten wie wir vielleicht alle dachten.
00:41:27: ja?
00:41:28: Und es ist schon gut wenn man das erkennt, wenn man darin wächst und das wünsche ich mir einfach.
00:41:32: vielleicht auch eine Botschaft für euch alle die gerade zuhören dass er vielleicht jetzt grad nochmal zurückspult und nochmal zuhört was sich da eben gesagt habe, einfach diesen Kern daraus zu finden.
00:41:45: Und vielleicht bringt euch das weiter und hilft euch das auch da weiterzuwachsen?
00:41:50: Aber jetzt nur eine Frage an dich!
00:41:52: Was würdest du jemand sagen der gerade selbst durch schwierige Zeiten geht?
00:41:58: Ja was würde ich sagen?
00:42:00: Ich würde sagen keine Hoffnung verlieren niemals und immer wieder den Satz sagen mein Gott ist größer Weil dieser Satz ist mir gerade in der letzten Zeit sehr, sehr wichtig geworden.
00:42:17: Klar gibt es im Leben oft Probleme und Schwierigkeiten manchmal so schlimme Problemen dass man kein Auswirk war.
00:42:26: weiß aber es geht weiter.
00:42:29: Wir sehen nur den Berg.
00:42:32: Aber wenn wir den Berg schaffen und oben sind dann sehen wie auch die Sonne Und dann sehen wir auch Es geht weiter Wir sind nicht alleine.
00:42:42: Und gerade wenn man Gott hat an seiner Seite, kann man nur eins sagen – Man ist nicht alleine!
00:42:51: Mein Gott ist
00:42:52: größer.".
00:42:54: Du sagst es vorhin das dann der August neunzehntseventeinundsebzig kamen?
00:42:59: Du wolltest nicht
00:43:00: weg?!
00:43:00: Wie ging's dir in dem Moment?
00:43:02: Was hat das mit dir gemacht?
00:43:04: Wenn ich zurückdenke… ist mein Herz voller Traurigkeit erfüllt.
00:43:11: Ich weiß nicht, ob sich jemand vorstellen kann, dass die ganzen Möbeln, die bei dir drin stehen, verschenkt werden?
00:43:20: Die Leute kommen nehmen den Schrank mit, nehmen dein geliebtes Bett mit, nehmen den Tisch mit und das Haus wird leer!
00:43:28: Ja sogar Geld mussten wir verschenken weil war ... Wir hatten eine Erlaubnis pro Person, ich glaube das war ein Achtzig Mark damals mitzunehmen und kein Cent mehr.
00:43:44: Also wir konnten keine Ersparnisse nach Deutschland mitnehmen.
00:43:48: Und ich weiß noch Ich bin zum letzten Mal zu unserem Treffpunkt gegangen Zu meinen Freunden und habe ihnen gesagt dass ich nach Deutschland gehe und ich weiß ihre Reaktion war nicht bisschen traurig oder Irgendwie.
00:44:06: das war ein Unverständnis da, was ich da tue.
00:44:10: Und in dem Moment wusste ich, dass ich wirklich alles verloren habe.
00:44:18: Meine Freunde verloren haben, mein Zuhause verloren hat und irgendwo hingehe, wo ich gar nicht weiß, was mich erwartet, wo eigentlich gar nicht hin möchte aber meine Oma, der war so wichtig vor dem Lebensjahr aus diesem Land wegbringt.
00:44:40: Und gerade so ist es auch passiert, wir haben eine Erlaubnis nach vielen Jahren bekommen vor meinem achtzehnten Lebensjahre und ich wollte ja immer so schnell wie möglich einen russischen Mann heiraten damit mein Name sich verändert und damit ich anders leben kann als meine Eltern.
00:45:03: das hat natürlich bei mir nicht geklappt.
00:45:06: Ich musste mit meinen Eltern, meine Mama war inzwischen schwer krank, musste operiert werden und ich dachte auch, ich muss ihr helfen die ganze Koffer zu schleppen.
00:45:19: dann mein Bruder war auch nicht gerade groß und meine andere zwei Geschwister haben zwar auch geholfen aber ich habe mich als Starke Personen gesehen, meinem Papa zu helfen nach Deutschland auszureisen.
00:45:36: Und dann dachte ich, wird eine Möglichkeit wieder sich ergeben und ich gehe wieder zurück?
00:45:42: Das war tief in meinem Kopf verankert!
00:45:45: Ich fahre mit denen rüber... ...und dann hau' ich wieder ab.
00:45:49: Spätestens wenn ich achtzehn
00:45:51: bin.".
00:45:52: Heute Morgen meiner stillen Zeit Zuhause kam mir die Geschichte, wo Nebuchadneza gegen Jerusalem einen Feldzug startet und praktisch die Wegführung oder die Gefangenschaft nach Babylon darüber berichtet wird.
00:46:07: Und so ähnlich hat sich die Gedanken daran, wo man umsiedelt in Viehwaggons verschleppt wird gegen seinen Willen zurück bis deine Großeldern erlebt haben.
00:46:19: Dann steht im Salm hundertsetzebendunddreißig drüber an den strömen Babels saßen wir und weinten also über diese Geschichte was ihnen widerfahren ist.
00:46:30: Und man hat auch erwartet von ihnen, dass sie dann Lieder singen.
00:46:34: Ich denke mir diesen Zerbruch vor dieses Verletztsein und alles diese Enttäuschung... ...und dann wird von einem erwartet das man Lieder sinkt.
00:46:43: Und später, siebzig Jahre später, wird ja in Esra und Nehemia beschrieben, dass ich wieder zurückging.
00:46:50: Da habe ich auch einen Tisch gedacht.
00:46:52: Man geht zurück in eine Heimat die eigentlich keine Heimat ist.
00:46:56: aber Ich möchte nicht mit so einer Schwere aufhören und habe spontan gedacht, wir machen vielleicht mal eine kleine Schnellrate runter oder schnell Fragerunde.
00:47:08: So bis ich sage um uns da ein bisschen rauszuholen.
00:47:11: Okay Maria stelle dir immer ein paar Fragen und du antwortest spontan.
00:47:15: okay?
00:47:17: Kaffee oder Tee?
00:47:18: Kaffeekamin
00:47:21: oder Lagerfeuer?
00:47:22: LagerFeuer
00:47:25: Stille- oder Trugel
00:47:28: Trouble, aber auch still.
00:47:33: Heimat ein Ort oder ein Gefühl?
00:47:36: Ein Gefühl!
00:47:38: Ein Wort für deinen Glauben?
00:47:40: Hoffnung!
00:47:42: Ein spontaner Satz über Jesus?
00:47:44: Mein König mein alles.
00:47:48: Hast du eine Lieblingsbibelstelle?
00:47:50: Alle eure Sorgen werfen auf mich denn ich sorge für euch.
00:47:56: Schlafsack oder Bett
00:47:58: Schlafsack, aber manchmal auch Bett.
00:48:02: Planen oder Vertrauen?
00:48:04: Planen... Aber ganz viel Vertrauen!
00:48:08: Was bringt dich zum Lachen?
00:48:10: Menschen die witzig sind oder Unternehmungen, die über die Grenze gehen?
00:48:17: Wenn du Gott in einem Satz beschreiben müsstest nach allem was deine Familie noch du erlebt hast und was würdest du sagen?
00:48:25: Er ist größer
00:48:27: Amen Vielen Dank.
00:48:30: Ich würde hier erst mal ein Break machen.
00:48:33: Wir wollen ja noch einen zweiten Teil aufnehmen, wo es dann praktisch im August siebenundsiebzig mit der Reise nach Deutschland weitergeht.
00:48:46: Danke dass du heute dabei warst.
00:48:49: Vielleicht war diese Folge anders Tiefer schwerer Und gleichzeitig haben wir gemerkt das war erst der Anfang von Maria's Geschichte Ein junges Mädchen zwischen zwei Welten Zwischen Herkunft und Zukunft.
00:49:06: Zwischendem was sie kennt, und dem was sie erwartet.
00:49:11: August, die Entscheidung ist gefallen.
00:49:17: Aber was bedeutet es wirklich alles zurückzulassen?
00:49:20: Seine Freunde, seine Heimat, sein ganzes Leben?
00:49:25: Und was passiert wenn das Land in dass man geht sich nicht wie Heimat anfühlt?
00:49:32: Darüber sprechen wir im zweiten Teil.
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